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Silent walk

Talent? Aufgeben gilt nicht!

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Talent ist nicht alles…

und was britische Geschäftsmänner damit zu tun haben

Kennt ihr die Geschichte der beiden britischen Geschäftsmänner, Schuhverkäufer, um genau zu sein, die Anfang des 19 Jahrhunderts nach West Afrika gingen? Beide schickten Telegramme in die Heimat und einer schrieb: „Situation hoffnungslos – stop – hier trägt niemand Schuhe. Stop.“
Der andere schrieb: “ Glorreiche Aussichten, Stop – Hier hat noch nicht einer Schuhe! Stop.“

So ist es auch in der Kunst: Die einen sagen, „kennt man schon alles“ – Die anderen: „Ihr habt noch Nichts gesehen“.

Silent walk - britsiche Geschäftsmänner und aufgeben gilt nicht!

Noch hakeliger wird es, wenn man die Kunstschaffenden ins Spiel bringt – Musiker, Maler, Schauspieler, Tänzer. Die einen sagen: brotlose Kunst, Pinselaffen, Hupfdohlen, das kann meine 5 jährige Nichte auch.
Die anderen sagen: Ich freue mich auf alles in der Kunst – es lenkt mich ab, es lässt mich vergessen – es entführt mich für ein paar Augenblicke in eine andere Welt.

Silent Walk - Kunst und britische Geschäftsmänner

Was ist Kunst?

Wer ist Künstler? Darüber dürfen sich andere streiten, diskutieren- denn wir sind heute hier, weil wir uns über eines einig sind: Wir genießen Kunst, Wir sind Kunst. Ach, das klingt so herrlich management-motivierend von Leuten, die keinen Schimmer haben. Und doch ist es trotz der Hülsentheatralik wahr.

Experiment?

Virtuell ist es etwas schwierig – aber…Ich habe etwas mit euch vor – ein Experiment, wenn ihr so wollt. Also, eigentlich ist es kein Experiment, denn ich kenn das Ergebnis. Bei diesem Experiment geht um figurative Malerei, aber nur, weil man es daran am besten demonstrieren kann – es hat NICHTs damit zu tun, dass nur figurative Malerei des Namens „Kunst“ würdig sei. Ich liebe abstrakte Malerei, praktiziere sie mit Leidenschaft selber und bin großer Fan von einigen meiner abstrakten Kollegen!

Aber die figurative Malerei eignet sich am besten für diesen Versuch, weil Fortschritte hier am schnellsten erkennbar gemacht werden können.

EIN KLEINER JUNGE, 3

Stellt euch folgende Frage: Wie malt ein dreijähriges Kind , nehmen wir einen kleinen Jungen, vielleicht hat einer von euch ja so einen zuhause. Er malt mit fast gemeiner Wollust und kritzelt wild auf dem Papier – herausgekommen ist nach der schnellen Mühe ein Kopffüssler und wir loben ihn in den Himmel. Er freut sich über das Lob, ist angefixt und schmiert nun mindestens zehn Blätter mit dahingehuschten Kopfgestalten voll, legt jedesmal einen Zahn zu, damit er die quiekende Freude der umgebenden Personen genießen kann. Eine Kaskade des Ansporns übergießt ihn. Die Verwandschaft bescheinigt ihm ein ganz aussergwöhnliches Talent. Natürlich!

Der kleine Junge- malt seine ersten Bilder- Blog Ute Bescht

ER WÄCHST UND WIRD 7 JAHRE ALT

Seine Menschen werden figurativer, er probiert sich aus, gepusht durch das Lob der Eltern, dem Rest der Familie und dem der Schule. Kinder in dem Alter dürfen im Unterricht ja noch alles malen: Figuren, Wörter, Mathe… Und er macht weiter und wird besser. Täglich gestaltet er mit schier unendlicher Freude.

JETZT IST ER 12

Seine Freunde finden seine Sachen „cheedoooooooo“ , seit er 3 war, malt er. Gekoppelt mit seinem Talent beginnt er sich auszuprobieren, ist in Communities bei Facebook, unter Anleitung und zeitlich limitierter Erlaubnis der Eltern, versteht sich. Er wird besser, er beginnt, eigene Charaktere zu entwerfen, hat sich in den Kopf gesetzt, irgendwann mal in die Spiele Entwicklung oder die App Programmierung zu gehen. Bei den Erwachsenen regt sich leise Skepsis – aber noch wird nichts gesagt.

PUBERTÄT

Der Stift dient zum Spiegel halten, tippen, oder auf den Arm kritzeln – da ist vieles wichtig, nur nicht das kreative Gestalten.

 

PUBERTÄT fast überstanden

Seit nunmehr vier Jahren malt er nur noch sporadisch – seine Kunstwerke limitieren sich auf „F… U“ im Schulheft , und rudimentär, leise vulgär erotischen Tagträumereien. Eigentlich könnte er doch loslegen – mit voller Wucht… Mit all der Übung, jahrelang. Da kann er doch was auf die Beine stellen. Mensch! Der Junge! Aber er tut es nicht… Weil es schon so lange dauert, weil er seinen Fortschritt und den Sinn nicht sieht, weil Lehrer ihnen gesagt haben, Mathe ist wichtiger, weil Eltern ihnen gesagt haben, Jobsuche ist wichtiger, weil seine Kumpel alle nicht malen und auch ihre Bewunderung nachgelassen hat. Weil ihn irgendjemand gefragt hat: „… warum zum Teufel, malst du hier nen Typen? Schwul , oder was?“. Er hört auf.
Wenn er einfach weitergemacht hätte, eventuell nur ein weiteres Jahr gemalt, sich nicht um die Meinung anderer gekümmert, hätte er den Abschluss sicher auch überstanden. Er hätte den Mut gehabt, sich in seiner Passion einen Job zu suchen, er hätte eine Ausbildung im Künstlerischen angefangen, er wäre vielleicht wirklich der Spiele Programmierer geworden, oder hätte für Pixar als Character-Designer begonnen. Vielleicht hätte er aber auch seine eigene Marke entwickelt, und seine Figuren wären irgendwann verfilmt worden.

Eventuell. Bei dem Talent.

Nein, wir können nicht alles werden!

Das ist ein Ammenmärchen und Quanten-Unsinn. Der liberale Helikopter Eltern Spruch: Du kannst alles werden, was du willst! Das ist eine Anreihung dummer, verzweifelter Wörter, denn es ist einfach nicht wahr. Jeder hat seine Limits. Jeder nur einen beschränkten Radius in Können, Talent, Willen, Eignung. Und der sicher liebevoll gemeinte Türöffner mit den Aussichten eines zweiten Michelangelos macht die Versagens Neurosen nur noch schlimmer.

Das Pendel muss schwingen – aber nicht nur einseitig. Kritik und Grenzen aufzeigen MUSS sein- um zu schützen. Wenn sich Talente nicht als solche erweisen, bricht keine Welt zusammen. Doch auch Passion darf andererseits durch kriegerische Wortwahl nicht zerstört werden- selbst wenn sie gut gemeint ist. Es wirkt eher kontraproduktiv, auch bei offensichtlichem Talent, immer weiter voran zu peitschen.

Denn jede Art von Viehtrieb setzt die inneren Gatter nach oben.

MUSS ES IMMER DER GESELLSCHAFTLICH ANERKANNTE ERFOLG SEIN?

Unser auf Erfolg getrimmtes Dasein und der fast manische Zwang der konditionierten Selbst-Optimierung hat uns zu ungnädig gegenüber uns selbst gemacht.

Malt der Maler nur für den Erfolg?

Singt der Sänger für die Grammys?

Spielt der Akteur für den Oscar?

Ist ein Werk nur gut, wenn es sich teuer verkauft?

Ist ein Künstler nur etwas wert, wenn die Vita zu Beifallsstürmen hinreisst und irgendein Kritiker die richtigen Worte wählt? Ist es fair, dass Communities ohne Ansicht des Menschen darüber urteilen, ob ein Werk gelungen ist? Mir kommt es so vor, als beurteilten diese Küchentisch – Kritiker die Daseinsberechtigung eines Künstlers alleine aufgrund der Schmackhaftigkeit ihres Frühstücks. Darf ich nicht selbst bestimmen, was meine Kunst für mich wert ist, was sie mir gibt? Warum kann ich nicht meine Kunst als Sprache für all das nehmen, für das mir die Worte fehlen? Für all die Worte, die ich nicht gesagt bekomme, oder die ich nicht sagen darf? Und muss es immer die ganze Welt hören ?

Auch ich lasse mich auf die Urteils Gesellschaft ein, die Finger Pointing betreibt, ohne sich Gedanken über IHRE Worte und deren Wirkung zu machen. Natürlich habe ich schon oft meine gemeinen Worte auf der Zungspitze liegend geschluckt, die mir beim Anblick so mancher desolaten Farb und Form Ergebnisse als Top-Portraits präsentiert wurden.  Aber ich behalte sie für mich – mehr noch – ich arbeite hart daran, das Gefühl VOR dem Ausdruck zu vergessen:

Missgunst, Verachtung , Neid, Respektlosigkeit.

Es gehört eine Menge Mut dazu, sich für seine Leidenschaft und Passion einzusetzen. Aber es gehört auch eine Menge Mut dazu, seine Worte zu wählen. Gegenüber denen, die gegen einen sind. Doch dieser Verteidigungsmodus muss endlich aufhören. Und auch daran arbeite ich.

Kunst ist in sich…

wenn man sie lässt!

Der Verteidigungsmodus muss aufhören – ich muss meine Kunst nicht rechtfertigen – niemandem gegenüber. Einzäunen begrenzt auch meine Kreativität. Das spüre ich schon sehr lange, und wie die Häutung einer Schlange gebe ich Schicht für Schicht dieser Zwänge auf: verteidigen, rechtfertigen, erkären, mildern, Vertändnis & Anerkennung bezüngeln. Meine Wut und meine verbale Armee trieb Blüten: Ich wollte sogar eine Zeitlang nicht „Künstlerin“ genannt werden, weil mir der Begriff im Angesicht des brutalen Zirkus dieser Zunft und der lemmingartigen Ergebenheit des Publikums zuwider war. Mit all den unbedacht gewählten Worten der Finger Pointer. Aber ich komme immer näher an das Ziel, mich selbst als wahre Künstlerin zu sehen, ich komme immer näher zu mir – unabhängig von der Meinung meiner Umwelt: ob sie mich schon lange als Super Talent proklamiert und gesehen haben, oder mich beflissentlich ignorierten.

Blende aus, um hineinzugehen

Denn dann öffnen sich die Kanäle für die wahren Worte:

Du bist!

Und das ist genug!

Ute Bescht

Künstlerin |  Webdesignerin | Dozentin - Meine Leidenschaft streckt sich von Leinwand auf den Bildschirm und mündet vor Teilnehmern!

Ute Bescht- Künstlerin & Webdesignerin aus Bremen - Individuelle Kunst für das Web mit CMS & Html